Wolf's Revier

Truppenübungsplatz als Rückzugsgebiet

Die Sensation war perfekt, als im Herbst 2000 mehrmals sechs Wölfe, zwei Alttiere und vier Jungtiere, beobachtet wurden. Das erste Wolfsrudel seit 150 Jahren hatte sich im Gebiet der "Muskauer Heide" angesiedelt. Im Jahre 1904 wurde nach einem jahrelangen Ausrottungsfeldzug der vermutlich letzte Wolf in Deutschland erlegt. Konsequent wurden alle Tiere, die danach vereinzelt aus den Wäldern des benachbarten Polen eingewandert waren, ebenfalls geschossen. unseren Übungsbetrieb ein."


Seit 1990 stehen Wölfe in Deutschland, seit 1992 in der EU und seit 1998 auch in Polen unter strengstem Schutz. Ab 1996 wurden im Bereich des Truppenübungsplatzes Oberlausitz in Ostsachen immer wieder Wölfe gesichtet. Das Revier umfasst eine Fläche von ca. 300 km², dessen Kernzone der Truppenübungsplatz (TrÜbPl) Oberlausitz bildet.

Übungsplatz und Natur

Er ist einer von 26 Truppenübungsplätzen in Deutschland und steht unter der Verantwortung der Streitkräftebasis. Bezogen auf die Grundfläche ist der Oberlausitzer Platz der viertgrößte in Deutschland und der einzige in Sachsen, 1945 von den sowjetischen Truppen in Betrieb genommen und 1990 von der Bundeswehr übernommen. An ihn grenzt der 62 Hektar große Tagebau Nochten, der kürzlich zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Dort wurden ebenfalls schon Wolfsspuren gefunden.
Da das militärische Übungsgelände nicht eingezäunt, aber für Wanderer und Touristen gesperrt ist, hat sich dort ein für Tiere günstiger Lebensraum entwickelt. Oberstleutnant Dietmar Nehrig ist Kommandant des 16.300 Hektar großen Areals. Auch er führt die erfolgreiche Wolf-Besiedelung seines Truppenübungsplatzes auf die strengen Auflagen und die intakte Natur zurück: "Die Wölfe halten sich vornehmlich in den so genannten Gefahrenbereichen des Platzes auf. Hier herrscht absolutes Zutrittsverbot für Bürger, und auch die übende Truppe nutzt diesen Bereich sehr selten." Wegen dieser Unberührtheit und Ruhe haben sich neben den Wölfen auch andere Spezies wieder eingefunden, wie die seltenen Birkhühner. Die Flora profitiert ebenfalls davon und dankt es mit seltenen Pflanzen. Kaum verwunderlich, dass hier auch große Wildbestände und damit Beutetiere für den Wolf heimisch sind.
Dass sich die Wölfe wohl fühlen, haben sie durch regelmäßige Welpenaufzucht bewiesen. Nach den vier Welpen des Jahres 2000 wurden 2001 zwei, 2002 drei und 2003 fünf Nachkommen gezählt. Eines der ehemaligen Jungtiere besetzt zur Zeit das Nachbarrevier. Fachleute hoffen, dass sich bald ein Rüde einfindet und ein zweites Rudel entstehen kann.

Die Bundeswehr als Partner

"Ohne die Bundeswehr wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen", freut sich Gesa Kluth vom Wildbiologischen Büro LUPUS. Zusammen mit ihrer Kollegin Ilka Reinhardt forscht sie seit August 2001 auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz, um Informationen über die Wölfe zu sammeln. Seit Juli 2002 findet dieses im Rahmen eines Auftrages des Sächsischen Umweltministeriums statt. "Unsere Aktivitäten auf dem TrÜbPl sind vor allem die regelmäßige Spurensuche (Pfotenabdrücke) und das Finden und Kartieren von Losungen (Kot), um mehr über das Verhalten der Tiere zu erfahren", erzählt die engagierte Biologin. Zu ihrem Arbeitspensum gehört es unter anderem Beobachtungen vorzunehmen oder mittels Heulanimationen (Nachmachen des Wolfsheulens, um die Tiere zum Antworten zu animieren) z.B. die Welpenaufzucht nachzuweisen. Dazu stimmt sie sich eng mit der Kommandantur des Übungsplatzes ab.
Oberstleutnant Nehrig: "Grundsätzlich muss jede Aktivität von Zivilpersonen auf dem TrÜbPl durch die Wehrbereichsverwaltung genehmigt werden. Den Zutritt regelt die Kommandantur. Gemeinsam mit dem Büro LUPUS und dem zuständigen Bundesforstamt in Weiskeißel stimmen wir die Termine jedoch wohlwollend ab und kommen der Arbeit so weit wie möglich entgegen. Weder die Wölfe, noch die Arbeit mit und für sie, schränkt unseren Übungsbetrieb ein."

 

Das Copyright der hier veröffentlichten Fotos liegt ausschließlich bei den Fotografen. Reportage vom 02.09.2004

Autor: Hauptfeldwebel Ralf Wilke, PIZ Streitkräftebasis

Fotos: LUPUS, Wildbiologisches Büro; Uwe Anders/NDR Naturfilm

BILD: Uwe Anders gelang dieser Schnappschuss

Kontaktadressen:

  • LUPUS Wildbiologisches Büro
    Gesa Kluth, Ilka Reinhardt
    Dorfstr. 55
    02979 Neustadt
    Tel./Fax (03 57 27) 5 77 62
    E-Mail:
    Grumsin@t-online.de (Gesa Kluth)
    E-Mail:
    ilkareinhardt@online.de (Ilka Reinhardt)
  • Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e.V.
    Dr. Peter Blanché
    Riedstr. 14
    85244 Riedenzhofen
    Tel. (0 81 39) 16 66
    Fax (0 81 39) 99 58 04
    Internet:
    www.gzsdw.de
    E-Mail: Peter.Blanche@gzsdw.de

Nachricht vom 17.7.2001

Auf Truppenübungsplatz in Oberlausitz wurde erstes Rudel gesichtet

Dresden. 

Die Rückkehr der Wölfe nach Sachsen hat gestern ein breites Medienecho ausgelöst und ist auf breite Zustimmung bei Naturschützern und Bauern gestoßen. Dieter Tanneberger, Präsident des Verbandes der privaten Landwirte (VDL), zeigte sich begeistert von dem "erfreulichen kulturellen Ereignis". Befürchtungen, dass die Wölfe Schafe und andere Nutztiere von Landwirten töten könnten, teilte Tanneberger nicht. Die Tiere lebten sehr abgeschieden und scheu. Allenfalls ein langer strenger Winter könne sie ausnahmsweise aus der Deckung treiben.

Wie erst jetzt bekannt wurde, war auf dem Oberlausitzer Truppenübungsplatz im vergangenen Winter ein kleines Rudel von mindestens sechs Tieren beobachtet worden, nachdem im vergangenen Frühjahr drei Welpen zur Welt gekommen waren. Die Tiere stammen offenbar aus Polen und siedeln sich ohne menschliches Zutun längerfristig auf dem weitläufigen, geschützten Militärareal an. Die Population ist damit die erste seit Jahrhunderten im westlichen Mitteleuropa und gilt nicht nur in der Fachwelt als eine Sensation.

Auch Naturschützer begrüßten das Auftreten der Wölfe. Justus Oertner von Naturschutzbund NABU sagte DNN, der Wolf sei ein Bereicherung für die heimische Landschaft. Er reguliere die natürlichen Kreisläufe, da er nur geschwächte Wildtiere reiße. Die Verteufelung des mystischen Wolfes stamme aus alten Märchen und Aberglauben, doch die Tiere bedeuteten keinerlei Gefahr für Leib und Leben von Menschen.

Auch Ulrich Krößin vom Landesverband Sachsen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) wertete die Wiederansiedlung der Wölfe als ein positives Zeichen. Krößin forderte vom Freistaat den Erhalt großflächiger Naturräume. Die Lausitz sei eine der wenigen Regionen in Deutschland, in denen Wölfe sich überhaupt ansiedeln könnten. "Solche Perlen müssen für Natur und Wildnis erhalten werden", sagte Krößin an die Adresse des Landes Sachsen.

Das Umweltministerium warnte gestern erneut vor dem Betreten des streng bewachten Truppenübungsplatzes. Es bestehe Lebensgefahr durch Blindgänger und militärische Übungen.

Sven Heitkamp

Nachricht vom 18.7.2001

Wolfswelpen in freier Wildbahn

Kleines Rudel hat derzeit in der Lausitz sein Zuhause

Dresden/Leipzig.

Erstmals in Deutschland sind in einem kleinen Wolfsrudel in Sachsen drei Welpen beobachtet worden. "Die erfolgreiche Aufzucht von Wolfsnachwuchs in freier Wildbahn ist eine Sensation im westlichen Mitteleuropa", teilte das Umweltministerium des Freistaates gestern in Dresden mit. Der Wolf als frei lebendes Wildtier gilt in Deutschland seit mehr als 150 Jahren als ausgestorben.

Das Rudel von mindestens sechs Tieren lebt nach den Angaben auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im Städtedreieck Weißwasser, Bautzen und Hoyerswerda.Die Jungtiere seien bereits im vorigen Jahr zur Welt gekommen, hieß es. Ob das Wolfsrudel auch in diesem Jahr bereits wieder Junge bekommen habe, sei noch unklar. Bei dem Rudel handele es sich höchstwahrscheinlich um aus Polen eingewanderte Tiere, sagte der Sprecher des Umweltministeriums, Dirk Reelfs.

Schon seit vielen Jahren seien hin und wieder Wölfe über die Grenze nach Sachsen gekommen, dann aber wieder still und heimlich verschwunden. Neu an der jetzigen Situation sei, dass die Wölfe nicht weiter wanderten, sondern sich stationär verhielten. "Alles deutet darauf hin, dass sie bleiben werden." Besondere Maßnahmen zum Schutz der Wölfe seien nicht vorgesehen, weil vorerst nicht notwendig, sagte Reelfs. Der Truppenübungsplatz, dessen Betreten streng verboten ist, sei der beste Schutz für die Tiere. "Überall in diesen Gebieten hat sich eine einmalige Flora und Fauna entwickelt."

Zudem stehe das Areal unter Naturschutz und sei als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) nach Brüssel gemeldet worden. Militärische Übungen gefährden die Tiere nicht: "Die suchen dann das Weite." Sollten die Wölfe Schafe reißen, gebe es Ausgleichszahlungen. Die Wölfe stellen nach Angaben des Umweltministeriums keine Gefahr für Menschen dar. Die extrem scheuen Tiere lassen sich kaum blicken. "Der Mythos vom menschfressenden Raubtier ist frei erfunden." Jeder Kampfhund sei gefährlicher als die Wölfe in der Lausitz, sagte Michael Gruschwitz, Artenschutzexperte des Ministeriums, der "Leipziger Volkszeitung".

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz und dem Artenabkommen von Washington gehören Wölfe zu den am strengsten geschützten Tieren. In der Berner Konvention zum Schutz frei lebender Tiere hat sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, dem Wolf eine Wiederansiedlung in geeigneten Gebieten zu ermöglichen.

Quelle: dpa/bra

Nachricht vom 14.3.2002

Lausitzer Wölfe sind ein Geschenk für Sachsen

Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen Flath hat die Wiederansiedlung der Wölfe in der Lausitz als ein "Geschenk für Sachsen" bezeichnet. "Wir sollten die Rückkehr der Wölfe für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung Sachsens nutzen", sagte Flath am Mittwoch, 13. März, auf der Internationalen Wolfskonferenz in Weißkeißel (Niederschlesischer Oberlausitzkreis).

Dazu müssten die Tiere streng geschützt werden. In Weißkeißel trafen sich mehr als 70 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland sowie Fachleute aus der Naturschutz- und Forstverwaltung zu einem ersten Meinungsaustausch über die Zukunft des sächsischen Wolfsrudels.

Dass sich Wölfe auf dem 15 000 Hektar großen Truppenübungsplatz Oberlausitz im Nordosten Sachsens niedergelassen haben, bewerten Artenschutzexperten als Sensation. Der Wolf (Canis lupus) gilt in Deutschland seit über 150 Jahren als ausgerottet. Fachleute gehen davon aus, dass das sächsische Wolfsrudel inzwischen auf acht Tiere angewachsen ist.

Flath sprach sich dafür aus, mit den Naturschätzen des Freistaates um mehr Touristen und Unternehmensansiedlungen zu werben. "So genannte weiche Standortfaktoren, wie die Naturausstattung, spielen eine nicht unwesentliche Rolle bei Standortentschei-dungen", sagte Flath. Der Wolf gelte als Symbol für eine intakte und unberührte Natur. Somit seien die Wölfe in der Lausitz Beweis für eine Landschaft, wie sie es kein zweites Mal in Mitteleuropa gebe. Um dieses Potential zu nutzen, müssten sich Vertreter aus Naturschutz, Wirtschaft und Politik an einen Tisch setzen und Strategien entwickeln. Ebenso könne ein nachhaltiger Schutz der Wölfe nur gemeinsam mit den Menschen aus der Region erfolgreich betrieben werden, so Flath weiter.

Quelle: ᄅ SMUL Sachsen

Nachricht vom 19.5.2002

Gute Chancen für Ausbreitung der Wölfe in Deutschland

Leipzig - Immer mehr Wölfe aus Polen entdecken Deutschland als neues Revier. «Hier gibt es optimale Voraussetzungen», sagte Wolfsforscherin Gesa Kluth in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Wälder seien voll mit Schalenwild und bieten den Wölfen eine optimale Nahrungsbasis. Gleichzeitig böten Bruchwälder und Dickicht ausreichend Rückzugsmöglichkeiten. «Ich könnte mir vorstellen, dass sich weitere Wolfsrudel bilden werden», sagte die selbstständig arbeitende Biologin.

Bereits Mitte der 80er Jahre überquerten die heimlichen Einwanderer die östliche EU-Außengrenze und wurden im deutsch- polnischen Grenzgebiet langsam wieder heimisch. Auf einem Truppenübungsplatz in der sächsischen Oberlausitz hatte sich vor mehreren Jahren ein Wolfsrudel angesiedelt, das im Jahr 2000 vier Junge zur Welt brachte. «Es ist der erste Nachwuchs in Deutschland seit 150 Jahren», sagte die 32-Jährige.

«Die Tiere sind jetzt im Teenageralter und suchen sich ihr eigenes Revier. Sie jagen erstmals nicht mehr unter der Regie ihrer Eltern», sagte Kluth. Höchstwahrscheinlich haben die Jungtiere auf ihrem Streifzug durch die Wälder Anfang Mai mehr als 20 Schafe gerissen. «Wölfe sind Beutegreifer, die davon leben, andere Tiere zu töten. Sie können aber nicht unterscheiden zwischen erlaubter und verbotener Beute.» Um weiteren «Überfällen» vorzubeugen, rät die Biologin aus Nordost-Brandenburg zu einem Zaun aus Lappen, der die Wölfe irritiert. «Das ist einfach, schnell und billig.»

Eine Gefahr für den Menschen besteht laut Kluth allerdings nicht. «Der Wolf muss vor dem Menschen mehr Angst haben als umgekehrt», sagte Kluth. Seit 1985 stehen die Tiere in der Bundesrepublik unter Artenschutz; seit 1990 sind sie in ganz Deutschland geschützt. In Europa leben insgesamt noch rund 20.000 Wölfe, davon 11.000 in Russland und 550 in Polen.

Quelle: ᄅ K￶lner Stadt-Anzeiger